Rückenschmerzen: Ursachen, Behandlung und Symptome

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Frau macht Übgungen

Einleitung

Eine Volkskrankheit in Zahlen

Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit. Eine Studie, die 2020 im Journal of Health Monitoring vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht wurde, zeigt, dass 61,3 Prozent der Befragten in den vergangenen 12 Monaten Rückenschmerzen hatten. Schmerzen im unteren Rücken waren dabei doppelt so häufig vertreten, wie Schmerzen im oberen Rücken.1

Rückenschmerzen gehören zu den sogenannten Muskuloskelettalen Erkrankungen, so wie alle anderen Beschwerden des Bewegungsapparates. Sie sind in Deutschland so weit verbreitet, dass sie auf Platz eins der Gründe für eine Krankschreibung stehen. Das fand die Krankenkasse DAK-Gesundheit heraus, die Daten von über 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten bewertete. Ganze 21,1 Prozent aller Krankschreibungen wurden aufgrund von Rückenschmerzen und anderen muskuloskelettalen Beschwerden, wie zum Beispiel Nackenschmerzen oder Verspannungen, ausgestellt.2

Ganze 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen haben mindestens einmal in ihrem Leben Rückenschmerzen. Schaut man sich die Krankheitshäufigkeit innerhalb eines Jahres an, leiden rund zwei Drittel aller Frauen darunter und etwas mehr als die Hälfte der Männer.3

Aber wie entstehen Rückenschmerzen?

Ab wann werden sie chronisch? Und welche Therapieoptionen gibt es? Diese Seite gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema und behandelt alles Wissenswerte rund um Ursache, Diagnose und Behandlung verschiedener Arten von Rückenschmerzen.

Nicht-spezifische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren und werden fast immer als äußerst unangenehm wahrgenommen. Viele sind überrascht, wenn sie hören, dass in 85-90 Prozent aller Fälle von Rückenschmerzen keine spezifische Ursache gefunden werden kann – man spricht dann von nicht-spezifischen Rückenschmerzen.

Nicht-spezifische Rückenschmerzen

Gut zu wissen

Nicht-spezifische Rückenschmerzen hängen meist mit Über- und Fehlbelastungen des Muskel-Skelett-Systems zusammen, die durch Gespräche zwischen Ärzt:innen und Patient:innen oder eine Bildgebung nicht eindeutig bestimmt werden können.

Zu den häufigsten Ursachen nicht-spezifischer Rückenschmerzen gehören:

  • verspannte, verkürzte oder überdehnte Muskeln
  • verhärtete bzw. verklebte Faszien
  • Probleme mit Sehnen und Bändern

Hinter diesen Ursachen stecken verschiedene Auslöser, die häufig mit dem Lebensstil der Patient:innen zusammenhängen. Auf Basis einer kurzen Analyse des Lebensstils gibt dieser kurze Selbsttest Aufschluss darüber, wie hoch das Risiko für Rückenschmerzen ist. Nicht-spezifische Rückenschmerzen entstehen also aufgrund mehrerer Faktoren. Um das komplexe Zusammenspiel der Ursachen zu verstehen, beziehen sich Ärzt:innen vor allen Dingen auf das Bio-Psycho-Soziale Modell.

Das Bio-Psycho-Soziale Modell

Das Bio-Psycho-Soziale Modell wurde 1977 durch den Psychiater und Medizintheoretiker Georg L. Engel definiert.

Laut seiner Theorie sollten biologische, psychologische und soziale Faktoren berücksichtigt werden, wenn es um die Entstehung und Behandlung von Krankheiten geht. Nach Engel sind “Gedanken und Gefühle […] nicht nur psychische, sondern immer zugleich auch körperliche Ereignisse – sie alle gehören ein und demselben Prozess an, auch wenn sie als unterscheidbare Phänomene erscheinen und in zwei unterschiedlichen Sprachsystemen beschrieben werden.”5

Das Krankheitsmodell berücksichtigt verschiedene biologische, psychologische und soziale Faktoren, um sich dem Grund für die Schmerzentstehung zu nähern. Das sind unter anderem:

Biologische Faktoren
  • Genetik
  • Organische Aspekte
Psychische Faktoren
  • Emotionen
  • Kognitionen und Gedanken
  • Ängste
  • Depressionen
  • Traumata
Soziale Faktoren
  • Berufliches Umfeld
  • Soziales Umfeld
  • Sozioökonomischer Status

Tabelle 1: Definitionen der verschiedenen Faktoren im Bio-Psycho-Sozialen Modell.6

Weitere Ursachen für nicht-spezifische Rückenschmerzen sind:

Muskelverspannungen

Muskelverspannungen entstehen durch Fehlhaltungen oder ungewohnte körperliche Belastung. Auch kalte Zugluft kann ein Auslöser für Verspannungen sein.

Eine weitere Ursache sind muskuläre “Dysbalancen”, ein „muskuläres Ungleichgewicht“, zum Beispiel durch Muskelverkürzungen. Ebenso kommt es durch Überforderung oder Stress zu einer erhöhten muskulären Anspannung, die sich zu Verspannungen entwickeln kann.

Das Problem bei Verspannungen: Oftmals wird bei schmerzenden Muskelverspannungen eine Schonhaltung eingenommen, die wiederum zu Verspannungen in anderen Muskelgruppen führen kann. Hierdurch kann ein ewiger Teufelskreis von Verspannungen und Schonhaltungen entstehen.7,8

Arzt berührt den Rücken eines Patienten
Bewegungsmangel und langes Sitzen

Viele Menschen mit sitzenden Berufen kennen das Problem: Am Ende eines langen Arbeitstags zieht es im Rücken, Nacken oder zwischen den Schultern. Eine große Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Gesunder Rücken mit über 1.000 Teilnehmenden ergab, dass beinahe die Hälfte der im Büro tätigen Menschen unter Rückenbeschwerden leidet – und das mindestens einmal pro Woche.9 Expert:innen begründen das mit dem Bewegungsmangel und einer Büroausstattung, die nicht rückenfreundlich genug ist. Warum langes Sitzen schadet? Auch wenn es bequem scheint, sind die Bandscheiben im Sitzen einem hohen Druck ausgesetzt. Beugt man sich dabei noch über den Schreibtisch, lastet viel mehr Druck auf den Bandscheiben als im Stehen. Gefährdet sind demnach auch LKW-Fahrer, Kassierer und viele Beamtenberufe.

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Rückenschmerzen im Homeoffice? Hier gibt es drei Tipps, wie man rückenfreundlich und gesund durch den sitzenden Arbeitstag kommt.

Fehlbelastungen

Nicht nur das Sitzen, auch körperlich schwere Arbeit, langes Stehen und berufsbedingte Fehlbelastungen können nicht-spezifische Rückenschmerzen auslösen. Zu den Risikogruppen gehören beispielsweise Handwerker:innen, Friseur:innen, Zahnärzt:innen und auch Bäcker:innen.

Fehlbelastungen, gerade des unteren Rückens, entstehen einerseits aus Fehlhaltungen, andererseits aus muskulärer Schwäche in den Beinen oder in der Bauchmuskulatur. Dadurch kann es auch beim Sport zu Fehlbelastungen kommen, die Rückenschmerzen zur Folge haben.

Psychische Belastungen, beruflich und privat

Die mentale Verfassung spielt bei der Entstehung von Rückenschmerzen häufig eine Rolle. Ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Psyche und Körper ist Stress. Bei Stress oder auch Angst ziehen sich die Schulter- und Nackenmuskeln automatisch zusammen, was zu schmerzhaften Verspannungen führen kann.10 Psychische Belastungen gehören außerdem zu den Hauptursachen für eine Chronifizierung der Schmerzen.11

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Alles Kopfsache? Dieser Artikel im Kaia Health Magazin befasst sich intensiver mit der Rolle der Psyche bei Rückenschmerzen.

Veranlagung

Rückenschmerzen und insbesondere Degenerationen der Bandscheibe bei jungen Menschen können genetisch bedingt sein. Darauf weisen mittlerweile auch Studien hin, die belegen, dass erbliche Faktoren sogar eine Rolle spielen, wenn es um die Anfälligkeit für Rückenbeschwerden geht.12

Gerade weil die meisten Rückenschmerzen keine spezifische Ursache haben, kursieren viele Missverständnisse rund um die Diagnose und Behandlung. Die Autor:innen des Kaia Health Magazins klären die drei größten Irrtümer hier auf.

Nicht-spezifischen Rückenschmerzen stehen die spezifischen Rückenschmerzen gegenüber, denen eine eindeutig identifizierbare körperliche Ursache zugrunde liegt und die einen bestimmten Auslöser haben, wie beispielsweise einen Bandscheibenvorfall oder Unfall.

Welche Erkrankungen lösen spezifische Rückenschmerzen aus?

Spezifische Rückenschmerzen

Gut zu wissen

Liegt bei Rückenschmerzen eine behandlungsbedürftige Ursache, beispielsweise eine Verletzung oder eine Entzündung vor, sprechen Mediziner:innen von spezifischen Rückenschmerzen.

Um herauszufinden, ob eine spezifische Ursache vorliegt, klären Ärzt:innen zunächst ab, ob es Hinweise auf die sogenannten “Red-Flags” (Warnsignale) gibt. Zu den Red-Flags gehören:

Tumorerkrankungen/Metastasen

Schmerzen, die nachts und in Rückenlage auftreten, können in seltenen Fällen auf einen Tumor an der Wirbelsäule oder im Rückenmark hinweisen.

Infektionen

Infektionen der Wirbelsäule oder des Knochenmarks sind zwar selten, können aber Rückenschmerzen auslösen. In diesem Fall treten weitere Symptome, wie Fieber, Gewichtsverlust oder körperliche Schwäche auf. Bei grippalen Infekten sind Rückenschmerzen im Zuge der typischen Glieder- und Muskelschmerzen ebenfalls keine Seltenheit.

Nervenschäden

Bei Nervenschäden können zusätzlich Sensibilitätsstörungen oder Muskelschwächen entstehen. Das geschieht beispielsweise, wenn bei einem Bandscheibenvorfall Druck auf die Nervenwurzeln ausgeübt wird. Aber auch Verletzungen, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen und Traumata können die Nerven beschädigen.

Osteoporose (Knochenschwund)

Ein Leitsymptom der Osteoporose sind Rückenschmerzen. Diese können akut sein, ausgelöst durch einen Wirbelbruch oder chronisch und werden als brennend oder stechend wahrgenommen.

Entzündliche Rückenerkrankungen

Zu den entzündlichen Rückenerkrankungen, auch Spondyloarthritiden genannt, zählen rheumatische Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule, die Schmerzen auslösen können.13

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfälle sind in aller Regel die Folge von schleichenden Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule. Auch wenn die Beschwerden akut einsetzen, ist der Vorfall meistens die Folge einer längeren Phase der Abnutzung. Man unterscheidet zwischen:

  1. Einer Vorwölbung (Bandscheibenprotrusion), die dazu führt, dass der innere Kern der Bandscheibe auf den äußeren Faserring drückt und dem
  2. klassischen Bandscheibenvorfall, bei dem der innere Kern den Faserring komplett durchbricht

Symptome

Illustration der Bandscheiben
Anatomische Ansicht der Bandscheibe

Expert:innen sind der Meinung, dass der Kontakt zwischen Bandscheibengewebe und einer Nervenwurzel eine Entzündungsreaktion im Nerven hervorruft, die ebenfalls sehr starke Schmerzen auslösen kann.14

Bandscheibenvorfall Symptome
Schmerz Definition
Ischiasschmerz Das klassische Symptom eines Bandscheibenvorfalls der LWS. Schmerzen, die in das Versorgungsgebiet eines bestimmten Nervs oder einer Nervenwurzel am Bein ausstrahlen.

Jede Nervenwurzel, die durch einen Bandscheibenvorfall gereizt werden kann, hat ein charakteristisches Versorgungsgebiet, so dass der Ort der Schmerzwahrnehmung, zusammen mit Muskelschwäche und Sensibilitätsstörungen bereits Rückschlüsse auf die Höhe des Bandscheibenvorfalls zulässt.

Schmerzen in Schulter oder Arm Charakteristisch für Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule.
Schmerzverstärkung Bei Bewegung, Husten, Niesen, Pressen.
Muskelschwäche Muskelschwäche entsteht durch starken Druck auf die Nervenwurzel, bis hin zu Kraftverlust und Ausfall der Muskulatur.
Sensibilitätsverlust Missempfindungen in Hautzonen, die wieder den einzelnen Nervenwurzeln zugeordnet werden können.

Empfindungsausfall oder kribbelnd-pelziges Gefühl.

Diagnose

Bei einem Arzttermin werden die Ursachen und Symptome in einen Zusammenhang gebracht und eine Therapie zur Schmerzlinderung besprochen. Welcher Arzt beziehungsweise welche Ärztin der oder die richtige ist, hängt davon ab, wie umfassend die Diagnostik sein muss und ob es sich um spezifische oder nicht-spezifische Rückenschmerzen handelt.

Welche Ärzt:innen helfen bei Rückenschmerzen?

Ein Besuch bei Hausärzt:innen kann schnell Klarheit über die nächsten Schritte verschaffen. Die wichtigsten Hinweise auf eine Erstdiagnose ergeben sich im Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen aus dem Beschwerdebild und der Krankenvorgeschichte.15 Ärzt:innen testen außerdem Kraft und Beweglichkeit im Rahmen einer körperlichen Untersuchung.

Spezialist:innen für behandlungsbedürftige Ursachen von Rückenschmerzen sind Orthopäd:innen und Neurolog:innnen, für die Hausärzt:innen eine Überweisung ausstellen können. Spätestens wenn in den Untersuchungen eine behandlungsbedürftige Ursache der Rückenschmerzen festgestellt wird, wie etwa ein Bandscheibenvorfall, erfolgt die Behandlung durch eine dieser beiden Fachrichtungen.

Besteht der Verdacht auf Rückenschmerzen, die durch Red-Flags ausgelöst werden, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall, ist Bildgebung der nächte Schritt. Bei einer Kernspintomographie (MRT) können Veränderungen der Bandscheiben oder anderer nicht aus Knochen bestehender Teile hochauflösend dargestellt werden.

Illustration einer Ärztin

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Hier entlang für mehr Informationen darüber, welche Ärzt:innen bei welchen Rückenschmerzen die richtige Anlaufstelle sind.

Verlauf und Dauer von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen werden anhand der Beschwerdedauer in akut, subakut und chronisch und rezividierend unterteilt:16

Bezeichnung Dauer der Beschwerden
Akute Rücken- und Kreuzschmerzen 0-6 Wochen Dauer, erstmalig oder vor Auftreten der Schmerzen seit mindestens 6 Monaten schmerzfrei.
Subakute Rücken- und Kreuzschmerzen 6 – 12 Wochen Dauer.
Chronische Rücken- und Kreuzschmerzen Länger als 3 Monate bestehende Schmerzen.
Rezividierende Rücken- und Kreuzschmerzen Wiederholt auftretende Schmerzen mit symptomfreien Phasen von mindestens 6 Monaten
Akute Rückenschmerzen

Akute Rückenschmerzen sind plötzlich auftretende Schmerzen, die in den Rücken einschießen und in den meisten Fällen nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Zu den akuten Rückenschmerzen gehört zum Beispiel der Hexenschuss, der durch eine Fehlhaltung, durch Bücken oder Heben ganz plötzlich auftreten kann. In der medizinischen Fachsprache wird der Hexenschuss auch “Lumbago” bzw. akute Lumbalgie genannt. Rückenschmerzen, die 0 – 6 Wochen anhalten, werden als akut bezeichnet. Halten die Schmerzen länger als 6 Wochen an, werden sie als subakut bezeichnet.

Chronische Rückenschmerzen

Alle Rückenschmerzen, die länger als 12 Wochen bestehen, werden als chronisch bezeichnet. Tritt eine Rückenschmerz-Episode drei Mal im Jahr oder drei Jahre in Folge einmal auf, spricht man ebenfalls von chronischen Rückenschmerzen. Die Schmerzintensität kann bei chronischen Rückenschmerzen im Verlauf variieren.

Sind Patient:innen 6 Monate symptomfrei, bevor die Rückenschmerzen erneut auftreten, werden sie als rezividierend bezeichnet.

Rückenschmerzen: Ursachen und Arten

An sich sind Rückenschmerzen keine eigenständige Krankheit. Meist entstehen sie aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Ursachen. Betrachtet man alle Symptome zusammen, können sie wichtige Hinweise auf andere Erkrankungen liefern oder darauf hinweisen, dass gesundheitsförderliche Anpassungen des Lebensstils erfolgen sollten.

Die Wahl der richtigen Behandlungsmethode hängt maßgeblich davon ab, dass die Rückenschmerzen richtig eingeordnet werden. Dafür müssen verschiedene Fragen beantwortet werden.

Schmerzlokalisierung: Wo liegen die Rückenschmerzen?

Diese Frage können Menschen mit Rückenschmerzen am leichtesten selbst beantworten. Die Lage der Beschwerden grenzt die Suche nach möglichen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bereits ein wenig ein. Eine grundsätzliche Unterscheidung kann bei Rückenschmerzen wie folgt getroffen werden:

Illustration des Aufbaus des Rückens
Aufbau und Bereiche der Wirbelsäule
Rückenschmerzen: Oberer Rücken und Nacken

Nicht nur im Bereich des unteren Rückens, sondern auch im Nackenbereich sind Beschwerden sehr häufig. Man geht davon aus, dass etwa jeder Dritte im Laufe eines Jahres damit zu tun hat.17, 18 Daher verwundert es auch nicht, dass Rückenschmerzen im oberen Rücken zu den häufigsten Gründen für einen Hausärzt:innenbesuch gehören.19

Zu Rückenschmerzen im oberen Rücken zählen Schmerzen entlang des Trapezmuskels, des Nackens und Beschwerden an der Halswirbelsäule, bis hinunter zur Brustwirbelsäule.

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Einen ausführlichen Überblick über die Ursachen von Nackenschmerzen sowie Akuthilfe bei Verspannungen gibt es in diesem Artikel.

Rückenschmerzen Symptome: Unterer Rücken und Lendenbereich

Die Lendenwirbelsäule (LWS) besteht aus fünf Lendenwirbeln und den dazwischenliegenden Bandscheiben.

Illustration der Lendenwirbelsäule
Sitz der Lendenwirbel im Körper
Illustration der Bandscheiben
Aufbau der Bandscheiben der Lendenwirbelsäule

Bei aufrechtem Gang trägt die LWS das gesamte Gewicht des Rumpfes und verteilt es über das Kreuzbein an das linke und rechte Iliosakralgelenk. Die LWS ist also einer höheren Belastung ausgesetzt als beispielsweise die Brustwirbelsäule.20Schmerzen im unteren Rücken können links oder rechts auftreten, aber auch beidseitig und mit Ausstrahlung in Po und Beine.

Ischiasschmerzen Symptome

Von Ischiasschmerzen spricht man streng genommen nur dann, wenn die Schmerzausstrahlung zu Lage und Versorgungsgebiet des großen Bein-Nervs, dem Ischiasnerv, passt. Häufig treten diese Schmerzen in Verbindung mit einem Hexenschuss, also starken Kreuzschmerzen, auf. Die Kombination von Ischias- und Kreuzschmerzen bezeichnen Mediziner:innen als Lumboischialgie.

Ischiasschmerzen sind im medizinischen Sinne keine Krankheit, sondern eher ein Symptom, das durch verschiedene Ursachen hervorgerufen wird. Ischiasschmerzen sollten wenn möglich ärztlich abgeklärt werden, da sie zu den Symptomen eines Bandscheibenvorfalls gehören.

Iliosakralgelenk-Schmerzen Symptome

Expert:innen gehen davon aus, dass das Iliosakralgelenk (Mit-)Ursache von 20-30 Prozent aller tiefsitzenden Kreuzschmerzen ist. Das Iliosakralgelenk, kurz ISG, stellt die Verbindung zwischen dem Beckengürtel und der unteren Wirbelsäule dar.

Durch seine besondere Lage am Übergang vom Beckengürtel zur Wirbelsäule ist das Iliosakralgelenk besonderen Belastungen ausgesetzt.21 

Illustration Iliosakralgelenk
Sitz des Iliosakralgelenks im Becken

Die Schmerzen sind meistens einseitig und typischerweise unterhalb der Gürtellinie.22 Häufig klagen Betroffene auch über eine Ausstrahlung der Schmerzen in den seitlichen und hinteren Oberschenkel und das Bein – dabei bleibt oft das Kniegelenk von der Schmerzausstrahlung verschont.

Schmerzzeitpunkt: Wann treten die Schmerzen auf?

Bei Schmerzen im Rücken spielt nicht nur das Wo eine Rolle, sondern auch das Wann. Symptome können beispielsweise im Liegen, Stehen oder bei Bewegung auftreten.

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Manche Patient:innen berichten auch von Schlafproblemen durch ihre Rückenschmerzen. Wie Rückenschmerzen und Schlafqualität zusammenhängen, erklärt dieser Artikel im Kaia Health Magazin.

Therapie und Behandlung von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen können sehr schmerzhaft sein. Während bei nicht-spezifischen Rückenschmerzen schnelle Soforthilfe durch beispielsweise Wärmeanwendungen erzielt werden kann, braucht es bei spezifischen Ursachen eine gezieltere Therapie und Behandlungen.

Was hilft gegen Rückenschmerzen?

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmethoden, abhängig von der Intensität und Dauer der Schmerzen und den körperlichen Voraussetzungen der Patient:innen. Es folgt ein Überblick über die verschiedenen Behandlungsmethoden bei Rückenbeschwerden.

Behandlung mit Schmerzmitteln

Die Behandlung von Rückenschmerzen mit Medikamenten ist einfach durchzuführen, da einige Medikamente verschreibungsfrei zu bekommen sind. Und doch sollte eine medikamentöse Therapie bei Schmerzen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Schmerzmittel aus der Klasse der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin oder Ibuprofen sind verhältnismäßig gut erprobt bei Rückenschmerzen. Zu dieser Gruppe von Medikamenten gehören auch Voltaren (Diclofenac). Sie haben alle eine ähnliche schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung, können auf Dauer jedoch mit ernstzunehmenden Nebenwirkungen einhergehen. Ziel der schmerzlindernden Therapie ist es, Patient:innen ihre Einschränkungen im Alltag zu nehmen und sie zu körperlicher Aktivität zu befähigen.

Selbstverständlich sollte jede, vor allem länger dauernde Medikamenteneinnahme ärztlich begleitet werden.

Manuelle Therapie

Zu manueller Therapie gehören die Manipulation oder Mobilisation der Muskulatur und der Gelenke. Manuelle Therapie kann akute Schmerzen lindern und Bewegungsblockaden oder -einschränkungen lösen. Sie gilt als eine relativ sichere Behandlung, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird und bessert Beschwerden oft kurzfristig. Auf lange Sicht bieten sie im Vergleich zu aktiven Verfahren keinen Vorteil in der Therapie von Rückenschmerzen aufgrund von Verspannungen – daher sind auch Manuelle Therapien in Kombination mit Bewegung am wirkungsvollsten.23

Physiotherapie

Viele Studien und internationale Leitlinien sind sich einig: Vor allem, wenn Rückenschmerzen schon länger als sechs Wochen bestehen, sollte Bewegungstherapie (z.B. Krankengymnastik) Teil der Behandlung sein. Physiotherapeut:innen erstellen ein individuelles Bewegungsprogramm inklusive einem Rückentraining für Patient:innen, mit dem Ziel, den Rücken zu kräftigen, zu mobilisieren und wieder in Funktion zu bringen.

Behandlungen in der Rückenschule

Die Rückenschule ist ein Behandlungskonzept, das vor allem zur Prävention von Rückenschmerzen eingesetzt wird und häufig von gesetzlichen Krankenkassen angeboten wird. Die Rückenschule vermittelt neben Bewegungsübungen auch Wissen über die Ursachen und Vermeidung von Rückenschmerzen.

Akupunktur

Eine kurzfristige Schmerzlinderung und Muskelentspannung ist das Ziel der Akupunktur. Durch die alleinige Anwendung von Akupunktur kommt es zwar zu einer kurzfristigen Schmerzlinderung, die körperliche Funktionsfähigkeit wird jedoch nicht zwingend verbessert. Im besten Fall wird eine Behandlung mit Akupunktur in Kombination mit Bewegungstherapie angewendet.24 

Entspannungsverfahren bei Rückenschmerzen

Entspannungstechniken können helfen, nicht nur den Körper sondern auch die Gedanken zur Ruhe zu bringen.

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In diesem Artikel zur Progressiven Muskelentspannung als Behandlung bei Rückenschmerzen gibt es noch mehr Hintergründe und eine einfache Übungsanleitung für zuhause.

Multimodale Therapie

Unter der multimodalen Schmerztherapie versteht man die ganzheitlich orientierten, umfassenden Behandlungen von Menschen mit chronifizierten Schmerzerkrankungen. Es sind mindestens drei Berufsgruppen an der Behandlung beteiligt: Ärzt:innen, Psycholog:innen und Bewegungstherapeut:innen.

Ein grundlegendes Ziel der multimodalen Schmerztherapie ist es, die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit im Alltag sowie den Aufbau von eigenen Kompetenzen im Umgang mit der Schmerzerkrankung.

Gut zu wissen

Die multimodale Therapie wird meist stationär angeboten und gilt als Goldstandard in der Behandlung von Rückenschmerzen.25 Dennoch haben viele Patient:innen keinen Zugang, da nur wenige Therapieplätze verfügbar und die Wartezeiten lang sind. Kaia Health ändert das und bietet relevante Elemente der multimodalen Schmerztherapie in digitaler Form an. Kaia Rückenschmerzen vereint Bewegung, Entspannung und Wissen in einer App, die schon bald allen gesetzlich Versicherten kostenfrei zur Verfügung steht.

Behandlungen mit digitalen Therapien: Kaia Rückenschmerzen

Kaia Rückenschmerzen ist eine digitale Gesundheitsanwendung für Körper, Geist und Lebensstil. Das Programm unterstützt Patient:innen mit nicht-spezifischen Rückenschmerzen dabei, ihre Schmerzen von zuhause aus zu lindern. So haben alle Menschen mit nicht-spezifischen Rückenschmerzen überall und jederzeit die Möglichkeit, eine leitliniengerechte, klinisch wirksame Behandlungsmethode in Anspruch zu nehmen, die gemeinsam mit Expert:innen entwickelt wurde.

Operation

Es kursieren viele Meinungen und Missverständnisse darüber, wann eine Operation der Wirbelsäule zur Behandlung von Rückenschmerzen wirklich angebracht ist.

Während es manchen Rückenschmerzpatient:innen nach der Operation besser geht und sie beschwerdefrei sind, konnten andere keine Schmerzlinderung feststellen. Fakt ist: Die genaue Diagnose ist für den Operationserfolg entscheidend.

Insgesamt gilt der Grundsatz: Patient:innen sollten im Vorfeld einer Rückenoperation versuchen, sich aus zuverlässigen Quellen möglichst viele Informationen zu beschaffen. Erst dann sollten sie, gemeinsam mit behandelnden Ärzt:innen die für sie beste Therapie auswählen.

Die Bewegungsübungen von Kaia Health helfen dabei, Schmerzen zu reduzieren

Aktuell ist Kaia Rückenschmerzen für Versicherte ausgewählter privater Krankenversicherungen verfügbar. Mehr Informationen können per Mail unter [email protected] angefragt werden. Kaia arbeitet bereits an einem Weg, die App bald auch für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland zur Verfügung zu stellen.

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Dieser Artikel zeigt, wie Kaia Rückenschmerz dabei hilft, Motivation für das Rückentraining zuhause zu finden.

Tipps für den Alltag

Was kann ich tun? Tipps bei Rückenschmerzen

1. Auf die “Yellow Flags” achten

Wie bereits erwähnt, entstehen Rückenschmerzen durch Fehlhaltungen, ergonomische Probleme oder ungleichmäßige Belastungen des Rückens bei schwerer körperlicher Arbeit.26

Im Alltag gilt es aber auch, auf die „psychosozialen Faktoren“ zu achten. Diese Faktoren spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, ob akute Rückenschmerzen schnell gelindert werden können oder sich hartnäckig festsetzen.

Die sogenannten „Yellow Flags“, geben Hinweise auf Einflussfaktoren der Umgebung oder auch der Psyche.27 Dazu gehören:

  • Familiäre Probleme
  • Depressivität
  • Kontraproduktives Schmerzverhalten (Ängste, Hoffnungslosigkeit, Vermeidungsreaktionen)
  • Fokus auf körperliche Faktoren als Schmerzauslöser

“Hilfe zur Selbsthilfe” ist das wichtigste Motto, um bei Schmerzen die Psyche zu stärken. Wenn Patient:innen selber wissen, mit welchen individuellen Strategien sie ihre Schmerzen lindern können, fühlen sie sich selbstwirksamer und eigenständiger. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg dorthin: Psychoedukation. Dabei geht es im Wesentlichen um Wissensvermittlung. So lernen Patient:innen Methoden der Schmerzbewältigung und den Umgang mit Stress oder anderen Alltagsbelastungen. Bei allem liegt der Fokus darauf, die allgemeine Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern.

Bei akuten Krisen kann man sich jederzeit bei den Mitarbeitenden der überregionalen Krisentelefone melden. 

2. Bewegung in den Alltag integrieren

Das optimale Zusammenspiel zwischen Wirbeln, Bandscheiben, Bändern und Muskeln macht einen gesunden Rücken aus. 

Zur Prävention von Rückenschmerzen und bei subakuten sowie chronischen Beschwerden ist eine Bewegungstherapie und ein gezieltes Rückentraining laut aktueller Leitlinie zur Behandlung von Kreuzschmerzen (NVL) das Mittel der Wahl. Und das Rückentraining muss nicht lange dauern. Gezielte Bewegungsübungen in der Mittagspause genügen, um etwas Aktivität in den Tag zu bringen. Dieser Artikel zeigt eine einfache Übungssequenz für die aktive Pause im Homeoffice. 

Für jeden Bereich der Wirbelsäule gibt es selbstverständlich spezielle Übungen, mit denen man Schmerzen entgegenwirken kann. Jedoch sollte immer darauf geachtet werden, dass nicht nur der schmerzende Rückenbereich, sondern die gesamte stabilisierende Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule und weitere wichtige Muskeln ganzheitlich trainiert werden.

3. Rückenübungen

Rückenübungen für den unteren Rücken
Rückenübungen unterer Rücken

Das Training der stabilisierenden Rückenmuskeln gilt als besonders wirksam. So empfehlen Expert:innen in der Tat häufig Übungen zum Training der Körperkern-Muskulatur zwischen Zwerchfell und Hüfte, die klassischen “Bauchübungen”. In Kombination mit Dehnungsübungen gelten sie als wirkungsvolle Behandlung von Rückenschmerzen und als Schutz vor dem Auftreten weiterer Beschwerden.29 30

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Ein wirksames Rückentraining braucht weder spezielle Geräte noch hohen Zeitaufwand und kann auch zu Hause durchgeführt werden. Dieses Video von Kaia Health zeigt 4 einfache Übungen für den unteren Rücken. Weitere Maßnahmen zur Soforthilfe bei Kreuzschmerz finden sich in diesem Artikel.

Rückenübungen oberer Rücken

Der obere Rücken ist sehr anfällig für Schmerzen und Beschwerden. Bei allen nicht-spezifischen Schmerzen des oberen Rückens gilt ebenso, dass Aktivität und Bewegung deutlich besser sind als Schonung. In der kurzfristigen Behandlung kann auch Wärme durch ein Wärmekissen, eine Wärmflasche oder Wärmepflaster zur Schmerzlinderung führen. Aktiv zu bleiben ist jedoch der erste Schritt, soweit eine spezifische Ursache ausgeschlossen werden kann.

Mehr wissen

In diesem Video von Kaia Health werden 4 einfache Übungen für den oberen Rücken gezeigt, die jederzeit von Zuhause aus durchgeführt werden können. Der Artikel 5 Übungen für den oberen Rücken zeigt weitere Bewegungs- und Dehnungsübungen für zuhause.

Quellen

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