Zwei Unternehmen, eine Vision: Wie Kaia und Chiesi die Versorgung von COPD-Patient:innen verbessern wollen

Alles über die gemeinsamen Ziele verraten Carsten Demgensky, Direktor der Business Unit Primary Care bei Chiesi, und Dennis Hermann, Head of Europe bei Kaia, im Interview.

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Portrait von Dennis Hermann und Carsten Demgensky

Was kommt dabei heraus, wenn sich ein Start-up für digitale Gesundheitsanwendungen und ein pharmazeutisches Unternehmen mit Expertise in der Behandlung von Atemwegserkrankungen zusammentun? Ein Weg, die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit COPD zu verbessern.
Mit der digitalen Anwendung Kaia COPD steht Patient:innen schon bald eine digitale Therapie zur Verfügung, die klinisch getestet, innovativ und überall anwendbar ist.

Wie Kaia Health und Chiesi dieses Ziel erreichen wollen und welche Herausforderungen noch zu meistern sind, erzählen Carsten Demgensky, Direktor der Business Unit Primary Care bei Chiesi, und Dennis Hermann, Head of Europe bei Kaia, im Interview.

Herr Demgensky, die Partnerschaft mit Kaia Health besteht bereits seit über zwei Jahren. Warum haben Sie sich gerade Kaia ausgesucht, um die Versorgung von COPD-Patient:innen zu verbessern?

Demgensky: Das Team von Kaia Health ist mit Technologie und spezifischem Know-how ein führendes Unternehmen in der Entwicklung von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs). Es geht Kaia um innovative, praxisrelevante Angebote, die intuitiv und im täglichen Leben von Patient:innen umsetzbar sind. Das passt zu unserer Vision. Wir bei Chiesi haben uns verpflichtet, Patient:innen mit ganzheitlichen Angeboten – über die medikamentöse Therapie hinaus – ein besseres Leben zu ermöglichen. Genau das strebt auch Kaia Health an. Kaia Health macht neue, mit hoher Evidenz belegte, nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen für einen breiten Kreis von Patient:innen zugänglich. Diese gemeinsame Vision ist der Antrieb für unsere Kooperation. Außerdem schätzen wir sehr die Weiterentwicklung der digitalen Therapien in relevanten klinischen Studien.

Herr Hermann, was macht die Chiesi Gruppe zu einem idealen Partner für Kaia Health und speziell Ihre digitale Anwendung Kaia COPD?

Hermann: Für uns war es sehr wichtig, einen vertrauensvollen Partner mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Atemwegserkrankungen zu finden. Chiesi bringt genau das mit. Wir freuen uns vor allem, dass beide Teams motiviert sind und Initiative zeigen. Eine gute Partnerschaft braucht, dass der Austausch auf Augenhöhe stattfindet, um das Projekt gemeinsam zum Erfolg zu bringen. Genau diese Erfahrung haben wir von Anfang an mit Chiesi gemacht. Besonders schätze ich an der Zusammenarbeit, dass sie beiden Unternehmen erlaubt, sich auf ihre jeweilige Expertise zu konzentrieren – Kaia Health auf das Produkt und die Evidenz und Chiesi auf die Verbreitung und Aufklärung der Ärzt:innenschaft.

Es geht Kaia um innovative, praxisrelevante Angebote, die intuitiv und im täglichen Leben von Patient:innen umsetzbar sind. Das passt zu unserer Vision.

Carsten Demgensky, Direktor der Business Unit Primary Care bei Chiesi

Was ist das gemeinsame Ziel für das kommende Jahr?

Hermann: Aktuell sind wir im Prozess, Kaia COPD vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als DiGA listen zu lassen. Unser Ziel für das kommende Jahr ist es, Kaia COPD so vielen Patient:innen wie möglich zur Verfügung zu stellen. Dabei unterstützt uns die Chiesi Gruppe durch ihr starkes und weitreichendes Netzwerk aus Ärzt:innen und Pneumolog:innen. Meines Erachtens wissen die Teams von Kaia und Chiesi beide um ihre Stärken. Jetzt geht es darum, zu erkennen, dass die Summe aus zwei Teilen größer ist, als wenn unsere Unternehmen im Alleingang handeln würden.
Ich sehe die größte Chance darin, dass wir gegenseitig von unseren Expertisen lernen.

Demgensky: Das kann ich nur bestätigen. Wir sehen eine große Chance, unser Wissen zu bündeln. Wir paaren die technologische Kompetenz von Kaia Health mit unserer Erfahrung und den bestehenden ärztlichen Netzwerken, die Chiesi seit Jahren als eines der in Deutschland führenden Atemwegs-Unternehmen aufgebaut hat. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Kaia COPD App als relevante Säule zur optimalen Versorgung von COPD-Patient:innen zu etablieren und diese als DiGA verfügbar zu machen.

Jetzt geht es darum, zu erkennen, dass die Summe aus zwei Teilen größer ist, als wenn unsere Unternehmen im Alleingang handeln würden.

Dennis Hermann, Head of Europe bei Kaia Health

Welcher Therapieansatz zeigt bei COPD-Patient:innen, Ihrer Erfahrung nach, die größten Erfolge, Herr Demgensky?

Demgensky: Den größten Erfolg zeigt eine Therapie, wenn sie auf drei Säulen beruht: medikamentöse Therapie, Bewegungstherapie und Rauchstopp. Beim Rauchen zählt jeder Tag, an dem man früher aufhört. Verschleimung, Atemnot und Husten verbessern sich, insgesamt schreitet nach der Rauchentwöhnung die COPD langsamer fort. Durch Bewegung in Lungensport-Gruppen und Rehabilitationsmaßnahmen, idealerweise ergänzt durch eine digitale Lösung, ist eine Erleichterung im Alltag möglich.

Kaia Health hat den November zum Monat der COPD ausgerufen. Dabei geht es maßgeblich um Aufklärung, aber auch Unterstützung für Menschen mit COPD – alleine in Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen über 40 Jahre betroffen. Herr Hermann, warum wissen, Ihrer Meinung nach, trotzdem eher wenig Menschen über die COPD-Erkrankung Bescheid?

Hermann: Das ist eine gute Frage. COPD ist die englische Abkürzung für “Chronic obstructive pulmonary disease”. Der Begriff ist schon schwierig zu merken. Noch schwerer ist zu verstehen, was bei der Erkrankung genau geschieht und welche sozioökonomischen Ursachen dazu führen, dass die Aufklärung ausbleibt – und somit auch die Möglichkeiten, wirksame Behandlungen in Anspruch zu nehmen.
Es ist ein vielschichtiges Thema. Wichtig ist, dass sich Patient:innen bewusst werden, was es bedeutet, mit COPD zu leben und dass sie frühzeitig mit einer Behandlung beginnen.

Demgensky: Meines Erachtens erlebt die COPD nicht immer die positive Aufmerksamkeit, welche sie aufgrund der hohen Belastungen und Einschränkungen für Patient:innen verdient hätte. In vielen Fällen ist ein ungesunder Lebensstil die Ursache der Erkrankung, häufig Nikotinkonsum. Aber selbst Patient:innen, die nie oder nur selten geraucht haben, können erkranken. Aufgrund dieser Beziehung zum Rauchen haben die Betroffenen häufig mit einem negativen, selbstverschuldeten Image zu kämpfen. Sie thematisieren ihre Erkrankung weniger in der Öffentlichkeit, um Stigmatisierungen zu vermeiden. Das kann natürlich zu Missverständnissen führen und eine patientengerechte Aufklärung verzögern.

Herr Hermann, Sie haben im Zuge der Produktentwicklung mit vielen COPD-Patient:innen gesprochen. Was ist das größte Missverständnis rund um die COPD und wie würden Sie es auflösen?

Hermann: Wir hören immer wieder, dass Patient:innen mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass sie nichts für ihre Gesundheit tun wollen. Das ist nicht meine Erfahrung. Wir bei Kaia haben viel mit Patient:innen zu tun, die unbedingt ihren Lebensstil verändern und aktiv werden wollen, die verhindern wollen, dass ihre Krankheit weiter fortschreitet.
Noch dazu gibt es Patient:innen, die noch nicht die Erfahrung gemacht haben, dass Bewegung guttut. Wer kennt es nicht: Wenn es einem schlecht geht, möchte man sich am liebsten schonen. Bei einer COPD-Erkrankung kann das allerdings kontraproduktiv sein. Körperliche Aktivität und Bewegungsübungen helfen, sich besser zu fühlen. Das Therapieprogramm von Kaia COPD hilft, genau diese Wissenslücken zu schließen und im Alltag die nötige Motivation zu finden.

Zum Abschluss noch eine Frage an Sie beide – Was wünschen Sie sich für die Zukunft der COPD-Behandlung?

Hermann: Unser Wunsch ist es, dass alle COPD-Patient:innen Zugang zu besten Therapien bekommen und frühzeitig behandelt werden. Aktuell gibt es tatsächlich das Problem, dass Pneumolog:innen durch Long-Covid-Patient:innen stark ausgelastet sind.
Menschen mit COPD sind aber eine sehr vulnerable Gruppe, und wir müssen alles tun, damit die Versorgung gesichert und eine schnelle Behandlung möglich ist.
Ich wünsche mir auch, dass die Behandlung weltweit verbessert wird und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um COPD-Patient:innen im Alltag zu unterstützen.

Demgensky: Es ist mir wichtig, dass die Patient:innen mit mehr Selbstbewusstsein und ohne Schuldgefühl, selbst verantwortlich zu sein für ihre Erkrankung, aktiv ihre persönliche Situation verbessern können.
Zudem könnten COPD-Patient:innen viel mobiler werden. Sport in der Rehabilitation und in Lungensport-Gruppen fördert die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und sichert professionelle Anleitung. Dabei geht es nicht um überfordernde sportliche Leistungen, sondern einfache Übungen im Rahmen der individuellen Möglichkeiten. Leider ist das Angebot nicht allen Patient:innen zugänglich. Daher freuen wir uns, dass die Kaia COPD App als digitales Therapeutikum ein individuell angepasstes Training jederzeit an jedem Ort ermöglichen kann.

Vielen Dank an Dennis Hermann und Carsten Demgensky für das freundliche Gespräch!

Chiesi und Kaia Health
Dennis Hermann, Head of Europe bei Kaia und Carsten Demgensky, Direktor der Business Unit Primary Care bei Chiesi

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