COPD: Ursachen, Behandlung und Symptome

34 Min. Lesezeit
Frau mit COPD auf dem Sofa

Einleitung

Was ist COPD?

Die Abkürzung COPD steht für den englischen Begriff „Chronic Obstructive Pulmonary Disease”. Auf deutsch bedeutet das „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“. Die COPD ist weltweit eine häufig auftretende Erkrankung bei Erwachsenen mittleren Alters, trotzdem haben laut einer Forsa-Umfrage 86 Prozent der Deutschen noch nie von der COPD gehört.1,2 Dabei gibt es allein in Deutschland knapp drei Millionen Menschen über 34 Jahre mit einer COPD-Diagnose.3

Diese Seite beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Diagnose, Symptome und Behandlung einer COPD, um Patient:innen sowohl fundiertes Wissen über ihre Erkrankung als auch Tipps zur Linderung an die Hand zu geben.

Was geschieht bei der COPD in der Lunge?

Gut zu wissen

Die COPD ist der Überbegriff für eine Erkrankung der Lunge und der Atemwege, bei der die Atemwege verengt sind. Menschen mit COPD haben eine chronische Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem. Sowohl die Bronchitis als auch das Emphysem führen zu Luftnot, dennoch betreffen sie die Lunge auf unterschiedliche Weise.

Lungenemphysem

Die Lunge eines gesunden Menschen besteht aus 400 Millionen kleinen Lungenbläschen, den Alveolen. Und die sind ziemlich beeindruckend. In der Fachsprache heißt diese Fläche „Gasaustauschfläche”, über die der eingeatmete Sauerstoff in das Blut übertragen wird.

Fakt

Würde man alle Lungenbläschen nebeneinander legen, hätten sie gemeinsam eine Oberfläche von der Größe eines Tennisplatzes!

Bei einem Lungenemphysem fallen die Lungenbläschen in sich zusammen oder werden zerstört, sodass aus mehreren kleinen Bläschen wenige große entstehen. Zusammen haben größere Bläschen weniger Oberfläche als Millionen kleine Alveolen.4 Das hat zur Folge, dass der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid nicht mehr richtig funktioniert. Die Luft wird in der Lunge eingeschlossen, was bei einer COPD mit Lungenemphysem zu einer Überdehnung der Lunge führt. Menschen mit einem Lungenemphysem haben deshalb Schwierigkeiten, komplett auszuatmen.5,6

Sauerstoffaustausch der Lungenbläschen in gesunden Bronchien
Abbildung eines Lungenemphysems und einer gesunden Lunge
Gestörter Sauerstoffaustausch bei einer COPD mit Lungenemphysem
Chronisch-obstruktive Bronchitis

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert eine Bronchitis als chronisch, wenn ein Mensch zwei Jahre in Folge, an den meisten Tagen von jeweils mindestens drei Monaten, von Symptomen wie Husten und Auswurf berichtet.7

Bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis (COB) sind die Bronchien dauerhaft entzündet und zusätzlich verengt. Die Bronchien sind die großen Atemwege innerhalb der Lunge, die sich in beide Lungenflügel verzweigen und Atemluft durch die Lunge leiten. Bei einer Bronchitis handelt es sich um eine Entzündung, wodurch sich ein dickes, zähflüssiges Sekret in den Atemwegen bildet und sie verstopft. Zusätzlich schwellen die Bronchien an, wodurch sie noch enger werden. Das Wort „obstruktiv” bezeichnet genau diese Verengung der Atemwege, die sowohl aufgrund der Entzündung als auch durch die Schleimbildung und Verkrampfung der umliegenden Muskeln entsteht.8

Abbildung Bronchien
Verengte Atemwege bei einer chronisch obstruktiven Bronchitis

Das Problem bei einer chronisch-obstruktiven Bronchitis: Normalerweise können sich die Atemwege von selbst reinigen und sind dabei ziemlich effektiv. Sie filtern selbst kleinste Partikel aus der Luft heraus, bevor sie Schäden verursachen können.

Sind die Atemwege durch eine chronische Bronchitis mit Sekret verstopft und durch die Entzündung verengt, kann sich die Lunge nicht komplett von Fremdkörpern befreien. So kommt es, wie bei einem Lungenemphysem, zu Atemnot und weiteren Symptomen, die unten näher beschrieben werden.

Ursachen

Was sind die Ursachen für COPD?

Eine COPD kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören:

Rauchen (aktiv und passiv)

Die größte Gruppe aller Menschen mit COPD bilden Raucher:innen oder ehemalige Raucher:innen. Etwa 15 – 20 Prozent aller Raucher:innen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer COPD.9

Dass Tabakrauch schädlich ist, wissen die meisten Menschen. Warum aber führt gerade das Rauchen zu einer COPD?

Viele der Inhaltsstoffe des Tabakrauchs können Entzündungen im Körper verursachen und somit auch die Schleimproduktion in den Bronchien verstärken.10

Noch dazu führt das Rauchen zu einer Entzündung der Atemwege und hat einen negativen Einfluss auf die Selbstreinigung der Lunge. Die Bronchialschleimhaut ist bedeckt von Millionen kleiner Härchen, den Flimmerhärchen. Die Flimmerhärchen sind dafür verantwortlich, Fremdstoffe aus der Lunge zu transportieren. Einige Substanzen im Tabakrauch zerstören diese Härchen, was dazu führt, dass Schadstoffe noch tiefer in die Lunge gelangen können. Die ohnehin gereizten Atemwege bilden als Gegenreaktion Sekret, was die Entstehung einer COPD maßgeblich begünstigt.

Somit ist die Rauchentwöhnung die wichtigste Maßnahme, um eine schnelle Verschlechterung des Gesundheitszustandes durch die Erkrankung zu verhindern. Mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst zu beginnen ist außerdem der effektivste Weg, einer COPD vorzubeugen.

Einatmen von Umweltgiften oder Luftverschmutzung durch Feinstaub

Laut einer Studie nimmt die Lungenfunktion bei einer Belastung durch Feinstaub oder Stickoxide, also Gase, die unter anderem die Lunge oder auch die Augen reizen können, deutlich ab. Das fand ein Forscherteam aus Kanada heraus. Ihre Ergebnisse zeigen, dass eine Belastung mit Schadstoffen aus der Luft direkt mit einer geringeren Lungenfunktion assoziiert werden kann.

Fakt

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Menschen, die in Gegenden mit einer überdurchschnittlich hohen Luftverschmutzung leben, viermal anfälliger an COPD zu erkranken als beispielsweise Passivraucher.11

Weitere Risikofaktoren für COPD sind Atemgifte, denen bestimmte Berufsgruppen in ihrem Arbeitsalltag ausgesetzt sind. Dazu gehören Alkohole, Gase oder giftige Dämpfe, die zum Beispiel im Bergbau, in der Textilindustrie oder beim Arbeiten mit Asphalt und Zement freigesetzt werden.12

Genetische Faktoren

Auch die Gene können eine Ursache für die COPD sein. So gibt es einen bestimmten Gendefekt, der dazu führt, dass die Leberzellen das Enzym Alpha-1-Antitrypsin nur ungenügend oder sogar fehlerhaft produzieren. Die Folge ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, wodurch dann das Lungengewebe weniger geschützt ist und angreifbarer wird.13 Betroffene können daraufhin Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot entwickeln. Auch wenn einmal geschädigtes Lungengewebe nicht wiederherzustellen ist, ist ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel gut zu behandeln.14

Atemwegsinfektionen wie Tuberkulose

Eine COPD kann infolge einer Tuberkulose-Erkrankung entstehen. Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die über Tröpfcheninfektion verbreitet wird und sich in 80% aller Fälle in der Lunge niederlässt.15 Aufgrund der Schädigung des Lungengewebes können Betroffene als Folgeerkrankung ein Lungenemphysem oder eine COPD ausbilden.

Weitere Ursachen für COPD

Eine gestörte Entwicklung der Lunge im Mutterleib sowie häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit können ebenfalls eine COPD Erkrankung begünstigen.

Diagnose

COPD-Diagnose

Bei Verdacht auf eine COPD sind Hausärzt:innen und Lungenfachärzt:innen die erste Anlaufstelle, um eine genaue Diagnose zu stellen. Um eine COPD zu diagnostizieren und auch von einer regulären Bronchitis zu unterscheiden, werden verschiedene Methoden angewandt, allen voran der Lungenfunktionstest.

Lungenfunktionstest

Sollte durch Symptome der Verdacht auf eine COPD aufkommen, ist ein Lungenfunktionstest, die sogenannte Spirometrie, der erste Schritt. Der Test liefert Werte zur Funktion und zur Leistungsfähigkeit der Lunge. Ein wichtiger Indikator ist die Einsekundenkapazität (FEV1), die anzeigt, wie viel Luft innerhalb einer Sekunde von einem Menschen mit Kraft ausgeatmet werden kann.

Das Ergebnis der Spirometrie erlaubt die Unterscheidung der COPD von anderen Erkrankungen und die Bestimmung des Schweregrades (GOLD-Stadium von I bis IV).16

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Zusätzlich verwenden Ärzte medizinisch bewährte Fragebögen, um die Effekte auf die Lebensqualität besser einschätzen zu können. Dazu gehört unter anderem der COPD-Assessment-Test (CAT), ein standardisierter Fragebogen, um die Schwere der Symptome zu erheben.

CAT, COPD-Beurteilungstest und das CAT-Logo sind Marken der GSK Unternehmensgruppe, ©2009 – 2022 GSK

Bei starken Symptomen steigt beispielsweise die Punktzahl des CAT, während der Wert bei einer Besserung sinkt. Somit kann der Test als Selbsteinschätzung und als Erfolgsindikator einer COPD-Behandlung genutzt werden.

Röntgen und andere bildgebende Diagnostik

Ärzt:innen lassen unter Umständen Röntgenbilder der Lunge anfertigen, um ein umfassenderes Bild des Gesundheitszustandes der Patient:innen zu bekommen und Begleiterkrankungen feststellen zu können. Auch eine Computertomographie (CT), Herzultraschall oder ein Elektrokardiogramm (EKG) sind bei der Diagnostizierung einer COPD nicht unüblich.17

Gut zu wissen

COPD-Stadien: GOLD I – IV

Der Begriff „GOLD” ist eine Abkürzung und steht für die „Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease“. 2001 wurde diese Initiative ins Leben gerufen, um den medizinischen Therapie-Leitlinien der Länder eine gemeinsame Struktur zu geben.

Jährlich werden Berichte veröffentlicht, die nach größeren Revisionen auch die Klassifikation verändern. So wurden 2011 die vier GOLD-Stadien neu definiert. Zusätzlich können diese durch die Buchstaben A, B, C und D genauer beschrieben werden.

Was bedeuten die GOLD-Stadien?

Die GOLD-Stadien geben die Krankheitsschwere einer COPD an. Ob Patient:innen in GOLD-Stadium I, II, III oder IV eingeteilt werden, hängt von den Ergebnissen der Lungenfunktionsuntersuchung und insbesondere der Einsekundenkapazität ab. Die Buchstaben A, B, C und D hingegen beschreiben, wie oft sich die Atmung im Jahr verschlechtert und wie schwer sich die Atemnot auf das Alltagsleben der Patient:innen auswirkt. Dabei spielt das individuelle Empfinden der Patient:innen eine wichtige Rolle. Häufig verwenden Ärzte für die Unterteilung A, B, C oder D Ergebnisse aus medizinisch bewährten Fragebögen, wie den Modified British Medical Research Council (mMRC), der die Schwere der Atemnot bezeichnet und den schon erwähnten CAT. Darin wird zum Beispiel gefragt, wie oft die Patient:innen husten, bei welcher Belastung sie Atemnot verspüren und wie stark sie sich durch die COPD eingeschränkt fühlen.18

Verlauf und Lebenserwartung

Wie der Name schon sagt, ist die COPD eine chronische und fortschreitende Erkrankung. Oft beginnt eine COPD mit morgendlichem Husten und vermehrter Sekretbildung. Im Verlauf kommt es vor allem bei körperlicher Belastung zu Hustenanfällen und Atemnot. Wiederkehrender Husten kann in manchen Fällen für eine lange Zeit das einzige Symptom sein.

Leider kann ein einmal zerstörtes Lungengewebe, nach aktuellem medizinischen Stand, nicht mehr wiederhergestellt werden. Auch ein ausgebildetes Lungenemphysem kann nicht rückgängig gemacht werden.

Die COPD gehört in Deutschland zu den zehn häufigsten Todesursachen, jedoch ist der individuelle Verlauf maßgeblich davon abhängig, dass die Diagnose früh gestellt und richtig therapiert wird.

Gut zu wissen

In manchen Fällen verschlechtert sich die Atemsituation der Patient:innen schlagartig. Dauert diese Phase länger als zwei Tage, wird sie als “Exazerbation” bezeichnet.

Symptome

COPD-Exazerbation

Ursachen für eine Exazerbation sind u.a. Luftverschmutzung, Infektionen, wie zum Beispiel eine Grippe oder Erkältung oder eine Begleiterkrankung.19 Zu den Symptomen zählen:

  • Zunehmende Atemnot
  • Stärkerer Husten
  • Vermehrte Sekretproduktion
  • Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Fieber20

Jede Exazerbation ist ernst zu nehmen, denn jede Exazerbation kann zu einer nachhaltigen Schädigung des Lungengewebes führen, was mit einer schlechteren Prognose des Krankheitsverlaufs einhergeht.

Daher ist eines der wichtigsten Ziele der Therapie ist es, Exazerbationen zu verhindern und so ein schnelles Fortschreiten der Krankheit zu verhindern.

Was sind die Symptome von COPD?

Eine COPD führt sowohl im Falle einer chronischen Bronchitis als auch bei einem Lungenemphysem zu einer Verengung der Atemwege. Diese Verengung geht normalerweise mit einer Entzündung einher, wodurch es zu einer Ansammlung von Sekret und Verstopfung der Atemwege kommt – die typischen COPD-Symptome entstehen.

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Die wichtigsten Symptome bilden eine Gruppe, die sogenannten AHA-Symptome. Dabei handelt es sich um Atemnot, Husten und Auswurf, von denen die meisten COPD-Patient:innen im Krankheitsverlauf berichten.

Atemnot

Über die Hälfte aller Menschen mit COPD haben täglich Atemnot, die in jedem GOLD-Stadium auftreten kann und oft als sehr belastend empfunden wird. Die Atemnot ist das häufigste Symptom von COPD-Patient:innen.

Atemnot bzw. Kurzatmigkeit tritt zu Beginn der Krankheit nur unter Belastung auf und kann zunächst als normales Zeichen des Älterwerdens gedeutet werden. Wenn die Krankheit aber fortschreitet, führen bereits alltägliche Aktivitäten, wie beispielsweise das Einkaufen oder Treppensteigen, zu Atemnot.

Atemnot kann sowohl bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis als auch bei einem Lungenemphysem entstehen.

Husten

Husten hat eine reinigende Funktion und befördert Luft und Sekret sowie verirrte Nahrungsreste aus der Lunge nach draußen. Im Gegensatz zu trockenem, unproduktivem Reizhusten spricht man bei Husten mit Auswurf von produktivem Husten. Bei einer chronischen Entzündung der Atemwege will der Körper das vermehrt produzierte Sekret loswerden, also fangen Patient:innen vermehrt an zu Husten. Bei COPD tritt häufig ein morgendlicher Husten mit oder ohne Auswurf auf.

Auswurf

Der Auswurf wird auch Sputum genannt und kann verschieden aussehen. Er enthält Wasser, Zellen, eventuelle Fremdpartikel, Mikroorganismen und kann weißlich, gelblich, grünlich, rötlich, gräulich oder bräunlich sein.

Je nach Aussehen kann man darauf schließen, woher der Husten kommt. Zum Beispiel spricht weißer, klarer Auswurf eher für einen viralen Infekt und grünliche Verfärbung eher für eine bakterielle Infektion. Doch diese einfachen Faustregeln gelten nicht immer und eine Diagnose sollte Ärzt:innen überlassen werden.

Der Auswurf kann auch im Verlauf der COPD-Erkrankung Veränderungen aufzeigen, die abgeklärt werden sollten.

Weitere (u.a. Zyanose, Atemgeräusche)

Die Verengung und Verstopfung der einzelnen kleinen Atemwege führen dazu, dass weniger Gas zwischen den Lungenbläschen und dem Blut ausgetauscht werden kann. Weniger CO2 kann abgeatmet werden und es gelangt auch weniger Sauerstoff ins Blut. Wenn man zu wenig Sauerstoff im Blut hat, wird dies als Hypoxie bezeichnet. Eine Hypoxie kann dazu führen, dass sich die Lippen und die Haut blau färben. Dann spricht man von einer Zyanose.

Durch die Einengung der Atemwege kann es außerdem zu Rasselgeräuschen oder pfeifender Atmung kommen.21

Fatigue (Müdigkeit)

Wird der Körper durch die verringerte Lungenfunktion mit weniger Sauerstoff versorgt, hat das eine verringerte körperliche Leistungsfähigkeit zur Folge – ein Phänomen, das häufig durch stark erhöhte Müdigkeit begleitet wird. Tatsächlich steht die “Fatigue”, französisch für Müdigkeit oder Erschöpfung, auf Platz zwei der häufigsten Beschwerden von COPD-Patient:innen.22 Das Gefühl der Müdigkeit ist eine starke Belastung, von der sich Patient:innen auch mit genügend Schlaf oder Entspannung nicht einfach erholen können. Eine Befragung niederländischer Forscher ergab, dass Betroffene sich durch Fatigue körperlich, emotional und auch kognitiv beeinträchtigt fühlen, worunter sowohl die Lebensqualität als auch soziale Beziehungen leiden.23

Insgesamt spielt die mentale Gesundheit der Patient:innen eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung einer Fatigue.

Psyche und Lebensqualität

Rund 27 Prozent der COPD-Patient:innen berichten im Verlauf der Krankheit von psychischen Beschwerden wie zum Beispiel Depressionen oder Angst.24 Die Angst vor Luftnot sowie die Tatsache, dass COPD nicht heilbar ist und körperliche Einschränkungen eher zunehmen, stellt für viele Patient:innen eine große Belastung dar. PD Dr. Andreas von Leupoldt vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf geht sogar davon aus, dass psychische Symptome bei 44 Prozent der Patient:innen nicht erkannt und zudem kaum behandelt werden.25 Seine Empfehlung: Die Wechselwirkungen zwischen COPD, Depression und Ängsten noch stärker in den Fokus zu nehmen sowie Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen im klinischen Alltag mehr Beachtung zu schenken.26

Therapie und Behandlung

Grundsätzlich gibt es medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen bei COPD. Eine regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann dabei helfen, einer Verschlechterung der COPD-Symptome vorzubeugen. Die Einnahme sollte allerdings gut in den Alltag integriert sein und durch Rauchentwöhnung und nicht-medikamentöse Maßnahmen ergänzt werden. Laut der offiziellen medizinischen VersorgungsLeitlinie für COPD stellt die nicht-medikamentöse Therapie die Basis der COPD-Behandlung dar, die bei Bedarf durch Medikamente unterstützt wird.

Welche Medikamente helfen bei COPD?

Es gibt verschiedene Arten von Medikamenten, mit denen eine COPD behandelt werden kann. Abhängig von der Symptomschwere bekommen Patient:innen ein oder mehrere Medikamente gleichzeitig. Unterschieden wird zwischen atemwegserweiternden Mitteln, wie beispielsweise Bronchodilatatoren und entzündungshemmenden Mitteln, wie Kortison.

Bronchodilatatoren

Bronchienerweiternde Medikamente werden inhaliert und erweitern die Atemwege, was auf die Linderung der Bronchitis-Symptome abzielt. Verschiedene bronchienerweiternde Medikamente haben außerdem eine unterschiedliche Wirkungsdauer. Ebenso unterscheiden sie sich darin, wie schnell die Wirkung nach der Inhalation eintritt. Diese Medikamente sind so etwas wie die Standardmedikamente in der Behandlung der COPD. Sie öffnen die Bronchien und dienen zur Linderung und Vorbeugung von Symptomen wie Atemnot, Husten oder einer pfeifenden Atmung.

Nahezu unabhängig davon, wie ausgeprägt die Krankheit ist, wird eine Behandlung mit Bronchodilatatoren empfohlen. Das Wort „Bronchodilatator“ leitet sich aus den Wörtern Bronchien, also Atemwege und dilatare ab, dem lateinischen Begriff für „erweitern“.

Kortison

Entzündungshemmende Medikamente, wie Kortisonpräparate, behandeln die Entzündung. Es gibt sie zum Inhalieren und auch zum Schlucken, wobei eine Tabletteneinnahme über längere Zeit vermieden werden sollte.

Entzündungshemmende Medikamente werden nur bei Patient:innen mit einer schweren COPD und gehäuften Exazerbationen verordnet. Diese Entzündungshemmer helfen, gewisse Arten von Entzündungen im Innern der Bronchien zu reduzieren. Sie wirken langsam und lindern nicht unbedingt die Atemnot und pfeifende Atmung.

Bronchienerweiternde und entzündungshemmende Medikamente gibt es auch als Kombinationspräparate. Diese sind in Form eines einzelnen Inhalators, jedoch mit zwei Wirkungen, erhältlich.

Antibiotika

Antibiotika werden im Notfall zur Behandlung einer Exazerbation eingesetzt. Sie werden bei bakteriellen Infektionen der Atemwege verschrieben, beispielsweise bei einer schweren Bronchitis oder einer Lungenentzündung. Sie können die Symptome von Atemwegsinfektionen wie Fieber, Husten oder Sekretbildung lindern.

Nicht jede Verschlechterung einer COPD erfordert sofort eine antibiotische Behandlung. Der Einsatz hängt vom Schweregrad und dem Gesamtzustand eines Patienten oder einer Patientin ab.

Illustration von Medikamenten
Eine medikamentöse Therapie wird häufig in Kombination mit Atemtherapie und Bewegungsprogrammen verordnet.

Nicht-medikamentöse Therapie und weitere Maßnahmen

Neben Medikamenten gibt es eine Reihe an Behandlungen, die als Basis der Behandlung dienen.

Rauchentwöhnung

Rauchen ist die Hauptursache für eine COPD-Erkrankung. Somit sollte eine Rauchentwöhnung nach der Diagnose der erste Schritt sein, um einem schnellen Fortschreiten der Krankheit entgegenzuwirken. Auch wenn einmal zerstörtes Lungengewebe nicht wieder hergestellt werden kann, beginnt der Körper bereits wenige Stunden nach der letzten Zigarette damit, andere Schäden abzubauen. So verbessern sich beispielsweise Geruchs- und Geschmackssinn bereits nach zwei Tagen.27

Auch, wenn es vielen Langzeitrauchern sehr schwer fällt, so bleibt die Rauchentwöhnung doch die wirksamste Maßnahme, die Symptome der COPD zu lindern.

Pneumologische Rehabilitation

Eine pneumologische Rehabilitation kann ambulant oder stationär stattfinden und zielt darauf ab, Patient:innen zu befähigen, trotz ihrer chronischen Erkrankung ein aktives Leben zu führen. Ein Reha-Programm ist darauf ausgelegt, Symptome wie Atemnot, Schmerzen oder auch psychische Belastungen zu lindern. Ein wichtiger Fokus ist, Patient:innen Methoden an die Hand zu geben, die sie in ihrem Alltag weiterhin üben können, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und ihnen eine berufliche und soziale Teilhabe zu ermöglichen.

Im Rahmen einer pneumologischen Rehabilitation werden Patient:innen durch ein interdisziplinäres Team von Ärzt:innen, Therapeut:innen, Psycholog:innen und Pflegepersonal betreut und nehmen an einem individuellen Therapieprogramm teil. Dieses umfasst verschiedene Elemente, wie zum Beispiel:

  • Bewegungstraining und Physiotherapie
  • Lungensport
  • Ergotherapie
  • psychologische Unterstützung und Verhaltenstraining
  • Entspannungsverfahren
  • Rauchentwöhnung
  • Ernährungsberatung
  • Sozialberatung
  • Patientenschulung
  • Umfassende Diagnostik, zum Beispiel Lungenfunktionstest 28, 29

Multimodale Therapie, auch digital mit Kaia COPD

Die Deutsche Lungenstiftung betont, dass eine multimodale Therapie für COPD-Patient:innen nachweislich bessere Ergebnisse erzielt, als Therapien ohne ganzheitlichen Ansatz. Eine multimodale Behandlung stellt neben der Raucherentwöhnung auch körperliches Training, Lungensport und Patientenedukation in den Fokus.30 COPD-Patient:innen tendieren dazu sich zu schonen, um Symptome wie Belastungsatemnot zu vermeiden. Dabei nimmt die körperliche Fitness so weit ab, dass sich die Muskulatur zurückbildet, was Luftnot eher begünstigt – ein Teufelskreis entsteht.

Multimodale Therapieansätze behandeln die Symptome der COPD auf mehreren Ebenen und bieten neben Hintergrundwissen zur Krankheit häufig eine Kombination aus Entspannung, Bewegung und Atemtherapie. Der Nachteil: Patient:innen müssen oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um an multimodalen Therapieprogrammen teilnehmen zu können. Außerdem scheuen viele COPD-Patient:innen lange Anfahrtswege. Deshalb hat Kaia Health eine digitale Anwendung entwickelt, die Kernelemente der pneumologischen Rehabilitation direkt nach Hause bringt. So haben alle COPD-Patient:innen ganz einfach über ihr Smartphone oder Tablet Zugang zu einer multimodalen Therapie – kostenfrei für gesetzlich Versicherte auf Rezept. 

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Kaia COPD: Digitale Therapie für Menschen mit COPD

Kaia COPD stellt täglich ein individuelles Therapieprogramm zusammen, bestehend aus kräftigenden Bewegungsübungen, Entspannungstechniken und Hintergrundwissen. Dass es wirkt, wurde bereits in klinischen Studien belegt – Nutzende von Kaia COPD konnten nachweislich die positiven Effekte in Bezug auf die Lebensqualität und körperliche Leistungsfähigkeit nach einer Reha-Behandlung für sechs Monate erhalten.31

Illustration eines Mannes in Meditationshaltung
Bei Stress helfen Entspannungstechniken, den Körper und auch die Gedanken zu beruhigen.

Lungensport und Atemphysiotherapie

Atemtherapie stellt einen wichtigen Teil der Behandlung von Lungenerkrankungen dar, denn sie hat eine Vielzahl an positiven Auswirkungen. Sie kann:

  • die Atemmuskeln entlasten oder stärken,
  • das Abhusten erleichtern,
  • die Beweglichkeit des Brustkorbes erhöhen und
  • den Gasaustausch verbessern.

In Deutschland werden Atemübungen traditionell in der Reha, bei der Atemphysiotherapie oder beim Lungensport vermittelt. Viele Atemübungen können Patient:innen mit COPD im Alltag und bei akuter Luftnot helfen, dazu gehören:

  • Lippenbremse
  • Atemreizgriff
  • Zwerchfellatmung
  • Yoga
  • Atmungserleichternde Körperhaltungen wie zum Beispiel der Kutschersitz oder die Torwartstellung
  • Moderne Methoden wie Computer-gestützte Atem-Feedback-Geräte
  • Alternative Methoden wie spezifisches Gesangstraining für COPD
Bild einer Bewegungsübung
Der “1-Minuten-Aufsteh-Absitz-Test” zeigt dir, wie gut die Kondition deiner Beine und deines Atems ist.

Ein wichtiges Ziel der Atemgymnastik ist es, die Lunge beim Ausatmen zu unterstützen. Das kann eine Überblähung der Lunge vermindern und den Gasaustausch fördern.

Die richtigen Atemübungen können in Kombination mit Bewegungstraining dazu führen, dass die Atemnot langfristig verringert wird und sich Beschwerden verbessern.

Langzeit-Sauerstofftherapie

Um die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und auch die Lebenserwartung zu steigern, verordnen Lungenärzt:innen eine Langzeit-Sauerstofftherapie, wenn bei Patient:innen eine Hypoxämie, also ein chronischer Sauerstoffmangel im Blut vorliegt. Eine Langzeit-Sauerstofftherapie bedeutet eine Anwendung von mindestens 16 Stunden täglich, wobei ein Anwendungszeitraum von 24 Stunden empfohlen wird. Das bedeutet für Patient:innen, dass sie den ganzen Tag über mit stationären oder auch einem mobilen Gerät verbunden sind.32

Frau mit Atemmaske

Transplantation

Wenn sich eine Atemwegserkrankung im Endstadium befindet und es keine anderen Möglichkeiten der Behandlung mehr gibt, kommt eine Transplantation der Lunge infrage. Wer als Kandidat:in für diese komplizierte OP infrage kommt, wird von einem Transplantationszentrum entschieden. Im Jahr 1963 wurde das erste Mal eine Lungentransplantation durchgeführt und 1983 wurde die erste Lunge erfolgreich implantiert.33 Mittlerweile werden in Deutschland bis zu 300 Lungentransplantationen jährlich durchgeführt.34

Viele Patient:innen, die eine neue Lunge bekommen haben, benötigen anschließend eine Langzeit-Sauerstofftherapie. Die Lebenserwartung kann durch eine Transplantation allerdings deutlich erhöht werden.

Tipps für den Alltag

Viele COPD-Patient:innen haben in ihrem täglichen Leben immer wieder mit Atemnot zu tun. Im fortgeschrittenen Stadium verschwindet sie schließlich gar nicht mehr vollständig. Das birgt natürlich einige Herausforderungen für den Alltag.

Mit Planung, der richtigen Atemtechnik sowie Strategien, um Energie zu sparen, können Patient:innen dennoch erreichen, was sie sich vornehmen!

Was kann ich selbst tun bei COPD?

COPD-Tipp 1: Aktiv bleiben

Fakt

Regelmäßige Bewegung hält fit und hilft dabei, den Alltag langfristig gut zu bewältigen. Auch COPD-Expert:innen empfehlen, körperliche Aktivität in den Tagesablauf einzubauen: Täglich etwa 30 Minuten reichen schon aus, um Atemnot zu verringern.35

Welche Sportarten oder Aktivitäten am besten geeignet sind, können Patient:innen gemeinsam mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin festlegen. In der Regel ist Ausdauertraining wie schnelles Gehen, Radfahren oder Treppensteigen besonders sinnvoll – eben alles, was das Herz ordentlich zum Schlagen bringt.

Wichtig ist, dranzubleiben! Nur wer längerfristig regelmäßig körperlich aktiv ist, bekommt die Vorteile zu spüren. Wer sein Training zur Gewohnheit macht, muss außerdem gar nicht mehr groß darüber nachdenken, ob trainiert werden sollte oder nicht.

Eine Möglichkeit, motiviert zu bleiben: Die Bewegung so unterhaltsam und lohnend wie möglich zu gestalten. Zum Beispiel können sich Patient:innen für jede Jahreszeit eine Lieblingsaktivität aussuchen und dieser gezielt nachgehen – im Sommer kann das Spazieren sein, im Winter vielleicht Radfahren auf dem Heimtrainer. Ein Tipp: Jeden Tag zur selben Zeit und am selben Ort körperlich aktiv sein, um eine Routine aufzubauen.

Fakt

Ganz wichtig: Patient:innen sollten wenn möglich bei körperlicher Bewegung immer darauf achten, dass sie sich nicht überanstrengen! Starke Atemprobleme, Schmerzen im Brustkorb oder Schwindel sind ein klares Zeichen dafür, dass der Körper zu stark belastet ist. In diesem Fall sollte das Training sofort gestoppt werden.

COPD-Tipp 2: Den Alltag möglichst energiesparend gestalten

  • Aufgaben priorisieren: Jeden Tag überlegen, was die wichtigsten Vorhaben sind und alles weglassen, was nicht notwendig ist.
  • Einen realistischen Zeitplan für den Tag erstellen und zwar jede Woche neu. Dabei möglichst aktiv werden, aber auch Zeit für Ruhe und Entspannung einplanen.
  • Beobachten, welche Bewegungen eher müde machen. Vielleicht das Bücken oder Strecken? Außerdem können Patient:innen überlegen, was sie Zuhause verändern können, damit sie sich weniger häufig bücken oder strecken müssen.

COPD-Tipp 3: Stress reduzieren und Zeiten für Entspannung einplanen

  • Nicht überfordern und nicht versuchen, zu viele Veränderungen auf einmal anzugehen. Besser darauf konzentrieren, ein Problem nach dem anderen zu lösen.
  • Im Voraus planen und immer genügend Zeit nehmen, um zu Terminen zu kommen – so entsteht keine Hektik, auch dann nicht, wenn mal etwas länger dauert als geplant.
  • Ebenfalls ganz wichtig: Erlauben auch mal Fehler zu machen. Niemand ist perfekt und wenn etwas nicht klappt, kann man es einfach mit einem anderen Ansatz nochmal versuchen!

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Im Magazin von Kaia Health gibt es noch mehr Tipps für den Umgang mit COPD.

Was soll ich vermeiden bei COPD?

Ansteckungsgefahr

Erkrankungen, die Symptome in den Atemwegen auslösen, wie zum Beispiel ein grippaler Infekt, sollten wenn möglich vermieden werden. Das bedeutet während der Grippesaison: Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren, soziale Kontakte mit Grippesymptomen lieber zu einem späteren Zeitpunkt treffen und so die Ansteckungsgefahr minimieren.

Extreme Temperaturen

Viele COPD-Patient:innen spüren im Winter und im Hochsommer eine plötzliche Verschlechterung ihrer Symptome. Mit ein wenig Vorbereitung lässt sich Temperaturstress jedoch umgehen. Im Winter gilt es, körperliche Aktivitäten nach drinnen zu verlagern, beispielsweise mit Bewegungsübungen, die zuhause durchgeführt werden können. Im Sommer lohnt es sich hingegen, den Wecker etwas früher zu stellen, nur in den frühen Morgenstunden zu lüften und die Fenster sonst tagsüber geschlossen und verdunkelt zu halten.

Luftverschmutzung und intensive Gerüche

Ob eine Straße neu geteert wird, jemand seine Wand frisch gestrichen oder in der Drogerie besonders viel Parfum getestet hat – starke Gerüche können bei COPD-Patient:innen zu Atemnot führen. Deshalb gilt: Nach intensiven Geruchsquellen Ausschau halten und diese möglichst umgehen.

Körperliche Inaktivität

Im Alltag ist es wichtig, immer wieder den inneren Schweinehund zu überwinden und die Muskulatur zu stärken. Ausdauertraining ist besonders empfohlen bei COPD, denn es bringt den Puls auf Hochtouren und hilft dem Körper, Sauerstoff besser zu verwerten. Außerdem hat Ausdauertraining einen positiven Effekt auf Stress, bringt Energie und stärkt das Herz!36

Wichtige Ressourcen

Kaia COPD jetzt kostenfrei für gesetzlich Versicherte auf Rezept! Mehr erfahren unter:
www.kaiahealth.de/copd

Hintergründe und noch mehr Alltagstipps für COPD-Patient:innen:
Kaia Health Magazin

Nationale VersorgungsLeitlinie COPD:
Aktuelle Ausgabe 

Lungensport-Register:
https://www.lungensport.org/lungensport-register.html

Quellen

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