Welche Ursachen hat die COPD? Die wichtigsten Risikofaktoren

Wie entsteht die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)? Wir erklären die Hauptrisikofaktoren und welchen Einfluss sie auf die Lungengesundheit haben.

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Abbildung einer Lunge

Knapp 30.000 COPD-Todesfälle zählte Deutschland im Jahr 2020 und ernannte die COPD landesweit zur sechsthäufigsten Todesursache. Die Statistik zeigt, dass sich die Sterberate in einigen Bundesländern in den letzten 20 Jahren sogar verdoppelt hat.

Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich, wie wichtig es ist, die Ursachen der COPD zu kennen und zu wissen, welche Risikofaktoren den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen. Wir geben die wichtigsten Informationen rund um die häufigsten Ursachen für COPD.

Ursache 1: COPD durch Erbkrankheiten

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

COPD kann durch die Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel entstehen. Schauen wir uns zunächst an, was das Alpha-1-Antitrypsin (A1AT) genau ist. A1AT ist ein Enzym, das in der Leber gebildet wird. Wird es nicht ausreichend produziert oder freigesetzt, fehlt es im Körper und ganz besonders in der Lunge.2 Dort schützt es die Lunge und die Atemwege vor anderen körpereigenen Enzymen, die zwar Krankheitserreger wie Bakterien verdauen können, ohne A1AT aber auch das Lungengewebe angreifen.3

Die Folge: Das Gewebe der Lunge und ganz besonders die Lungenbläschen werden zerstört. In den meisten Fällen kommt es zu einem Lungenemphysem, was dazu führt, dass der Gasaustausch in der Lunge nicht mehr richtig funktioniert. Die typischen COPD-Symptome wie Atemnot, Husten und Auswurf entstehen.

A1AT-Mangel ist nicht heilbar, die Symptome können jedoch medikamentös mit Bronchodilatatoren und nicht-medikamentös, beispielsweise mit Atem- und Physiotherapie, behandelt werden.

Primäre ciliäre Dyskinesie

Neben A1AT-Mangel gibt es genetisch bedingte Veränderungen der Lunge, die ebenfalls zu einer COPD führen können. Kommen wir zu einem weiteren komplizierten Begriff: die Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD). Bei einer PCD ist die Bewegung der Flimmerhärchen, der sogenannten Zilien, gestört. Die Flimmerhärchen sitzen an den Innenwänden der Bronchien und schützen die Atemwege vor Schadstoffen. Sind sie beschädigt, funktioniert die Selbstreinigung der Lunge nur eingeschränkt und es kommt zu einer chronischen Bronchitis, die sich zu einer COPD entwickeln kann.

Weitere Ursachen

Eine neue Studie des Imperial College London zeigt, dass häufige Infektionen der unteren Atemwege in der Kindheit das Risiko erhöhen, im Erwachsenenalter an einer Atemwegserkrankung zu versterben.5

Ursache 2: COPD durch Luftverschmutzung und Feinstaub

Umweltfaktoren

Das Einatmen von stark belasteter Luft, zum Beispiel mit Feinstaub, Partikeln aus dem Straßenverkehr oder Luftschadstoffen, stellt generell ein Gesundheitsrisiko dar.

So konnte eine Studie zeigen, dass Menschen, die nah an Hauptverkehrsstraßen wohnen, schlechtere Lungenfunktionswerte haben als Menschen, die weiter weg leben.6

Luftverschmutzung ist nicht nur eine Ursache für COPD, sie wirkt sich auch negativ auf den Verlauf der Erkrankung aus, wenn man bereits betroffen ist. Das Umweltbundesamt berichtet von einem Zusammenhang zwischen der Zahl an Krankenhausbesuchen aufgrund einer Exazerbation, also der plötzlichen Verschlechterung von COPD-Symptomen, und kurzfristig erhöhter Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr.7

Das Kochen und Heizen mit offenem Feuer in Innenräumen führt ebenso zu einer hohen Schadstoffbelastung der Luft, besonders mit Naturmaterialien wie Holz oder Kohle.6

Ein weiterer Risikofaktor für COPD: Waldbrände. Ein Waldbrand setzt erhebliche Mengen an Feinstaub frei, darunter Ruß und andere chemische Verbindungen. Das Einatmen dieser Schadstoffe kann zu Atemnot, einer chronischen Bronchitis und langfristig zu einer COPD führen.8 Die Luftqualität ist sowohl für Menschen, die in einem Waldbrandgebiet leben, als auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr ein bedenkliches Gesundheitsrisiko.

Belastungen am Arbeitsplatz

Berufsbedingte Belastungen sind bei 15 – 20 Prozent der COPD-Fälle die Ursache.9

Einige Berufe bergen ein besonders hohes Risiko. Menschen, die beispielsweise im Bergbau arbeiten oder Straßenarbeiten verrichten, sind täglich Schadstoffen ausgesetzt, die das Lungengewebe schädigen können. Zu den risikobehafteten Substanzen gehören zum Beispiel Aluminium, Schwefeldioxid sowie andere Stäube und Gase.10

Beschäftigte, die in folgenden Berufen und Arbeitsumfeldern arbeiten, sind besonders betroffen:11,12

  • Bergbau
  • Metallschmelzprozesse
  • Koksofenarbeiter:innen
  • Arbeiten mit Asphalt und Zement
  • Schweißer:innen
  • Berufe in denen man Passivrauch (Gastronomie) oder Abgasen (Zoll oder Mautstationen) ausgesetzt ist
  • Landwirtschaft
  • Textilindustrie
  • Arbeiten mit Flachs, Jute oder in der Getreideverladung
  • Berufe in denen man Holzstäuben ausgesetzt ist
  • Berufe in der Kunststoffverarbeitung
  • Berufe in der Tabakverarbeitung

Wichtig sind gezielte Präventionsmaßnahmen, um Mitarbeitende in den oben genannten Berufen über die Risiken aufzuklären und zu jeder Zeit angemessene Maßnahmen zum Gesundheitsschutz vorzunehmen. Auch sollten Arbeitgeber:innen Informationen über die Entstehung von COPD erhalten, sowie die häufigsten Symptome kennen, um eine Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

Ursache 3: COPD durch aktives und passives Rauchen

Kommen wir zum Risikofaktor Nummer 1, eine COPD zu entwickeln: das Rauchen.

Im Jahr 2021 behandelten Krankenhäuser rund 460.000 Menschen in Deutschland aufgrund einer raucherspezifischen Erkrankung – mehr als die Hälfte davon waren COPD-Patient:innen.13 

Warum ist das Rauchen so schädlich für die Lunge? Unsere Lunge ist ein äußerst produktives Organ, jeden Tag atmet sie mehr als 10.000 Liter Luft ein und wieder aus.14 In der Atemluft enthaltene Schadstoffe gelangen über die Lunge direkt in unseren Körper und auch in die Blutbahn. Deshalb ist es so wichtig, dass die Selbstreinigung der Lunge gut funktioniert. Hier kommen die Flimmerhärchen ins Spiel. Ihr Job ist es, sich wellenförmig zu bewegen und ungebetene Gäste wie Bakterien, Schleim oder Schmutzpartikel wieder aus der Lunge zu transportieren.

Im Zigarettenrauch befinden sich knapp 5.000 chemische Substanzen, darunter Teer, Kohlenmonoxid und Benzol, die den feinen Flimmerhärchen schaden und sie sogar zerstören.15 Zudem greift der Rauch das Lungengewebe an. So kommt es zu Entzündungsprozessen, die sich bei langjährigen Rauchern zu einer chronischen Bronchitis entwickeln können. Symptome wie Husten mit Auswurf und Atemnot sind die Folge. Tatsächlich sind zwischen 80 und 90 Prozent der COPD-Fälle auf das Rauchen zurückzuführen.16 

Zigarettenrauch schadet aber nicht nur den Raucher:innen selbst. Passivrauch, der ausgeatmete Rauch einer Zigarette, enthält immer noch Giftstoffe, die der Lunge schaden und so eine COPD verursachen können – auch bei Nichtrauchern. So können  Menschen, die diesen Passivrauch einatmen, beispielsweise in Bars oder Kinder, deren Eltern rauchen, ebenfalls Atemwegserkrankungen entwickeln. Tatsächlich haben Menschen, die mit einer Person zusammenleben, die in den gemeinsamen Innenräumen raucht, ein um rund 25 Prozent erhöhtes Risiko, an COPD zu versterben.17 

Mit diesem Überblick möchten wir darüber aufklären, wo eine COPD ihren Anfang haben kann. Dieses Wissen kann bei der Früherkennung helfen und Aufmerksamkeit dafür schaffen, welche Risikofaktoren die Gesundheit der Atemwege gefährden. Nur so können Patient:innen die Risiken und Ursachen für eine COPD erkennen und sich immer wieder für ein lungenfreundliches Leben entscheiden.

Quellen
  1. https://www.fr.de/wissen/copd-unbekannte-volkskrankheit-13524212.html
  2. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/alpha-1-antitrypsin-mangel/was-ist-alpha-1-antitrypsin-mangel/
  3. https://www.ukw.de/medizinische-klinik-i/pneumologie/schwerpunkte/erkrankungen-der-atemwege/alpha-1-antitrypsinmangel/
  4. https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/weitere-lungenerkrankungen/primaere-ciliaere-dyskinesie-pcd-und-kartagener-syndrom
  5. https://www.news-medical.net/news/20230307/Study-finds-link-between-respiratory-disease-in-early-childhood-and-premature-death-risk-in-adulthood.aspx
  6. https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/copd/risikofaktoren
  7. https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umweltmedizin/copd
  8. https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/michael-barczok-die-zahl-der-sterbefaelle-steigt-a-21788023-9dc9-4987-b17a-ea6cf31b1b19
  9. https://patient.boehringer-ingelheim.com/de/copd-aktuell/was-verbirgt-sich-hinter-copd/welche-ursachen-kann-die-copd-erkrankung-haben
  10. https://www.schoen-klinik.de/copd
  11. https://patient.boehringer-ingelheim.com/de/copd-aktuell/mit-copd-leben/abwehrkraefte-staerken
  12. https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/artikel/copd-einige-berufe-koennten-das-erkrankungs-risiko-erhoehen
  13. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/05/PD21_N036_23.html
  14. https://www.rauch-frei.info/wissen/gefahren-und-risiken/wie-gefaehrlich-ist-rauchen-fuer-die-lunge0/
  15. https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/sucht/faktencheck-zigarette-1056576
  16. https://www.bzga.de/aktuelles/2021-11-12-welt-copd-tag-2021-rauchen-ist-die-hauptursache-fuer-copd/
  17. Sandler DP, Comstock GW, Helsing KJ et al. (1989) Deaths from all causes in non-smokers who lived with smokers. Am.J.Public Health, 79, 163–167

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